Linux (Debian Lenny) auf dem Fujitsu Stylistic LT C-500


Hardwarevoraussetzungen

PCMCIA-Netzwerkkarte (für den Fall, dass nach dem Rückbau der Festplatte in den Stylistic noch Dateien aus dem Netzwerk geholt werden müssen)

USB-Tastatur (zu Konfigurationszwecken, bevor Touchscreen und virtuelle Tastatur funktionieren)


Installation

Die Installation erfolgt am einfachsten über einen Fremdrechner mit Netzwerkzugang (oder über den Komplettsatz der Debian DVDs). Ich habe die Festplatte des Stylistic ausgebaut und an einen anderen Rechner angeschlossen und anschließend mit der Netinstall-CDROM Debian Lenny installiert. Wichtig für die KDE-Installation ist der Bootparameter tasks=“kde-desktop, standard“. Andernfalls macht Debian eine GNOME-Installation.


Nach der Installation

Folgende Pakete müssen unbedingt installiert werden: xserver-xorg-input-fpit, setserial, xvkbd – alles andere nach Gusto.


X-Server

Nachdem die Festplatte zurück im Stylistic ist, sollte alles außer dem x-server funktionieren. Der lässt sich als root mit dem Befehl

dpkg-reconfigure -phigh xserver-xorg

automatisch neu konfigurieren und sollte dann funktionieren.


Touchscreen

Nicht automatisch erkannt wird der Touchscreen. Er braucht den Treiber „fpit“ an der seriellen Schnittstelle, die physisch mit dem Touchscreen verbunden ist. Nach dem, was ich im Internet gelesen habe, kann es sein, dass dies bei verschiedenen Geräten verschiedene Schnittstellen sind. Bei mir ist es

/dev/ttyS2.

Dem Xserver muss mitgeteilt werden, dass der Treiber „fpit“ für die Mauseingaben zuständig ist. Das geschieht mit folgendem Abschnitt in der Datei /etc/X11/xorg:

Section "InputDevice"
Identifier "Touchscreen"
Driver "fpit"
Option "Device" "/dev/ttyS2"
Option "BaudRate" "9600"
Option "MaximumXPosition" "4125"
Option "MaximumYPosition" "4125"
Option "MinimumXPosition" "0"
Option "MinimumYPosition" "0"
Option "Passive"
Option "SendCoreEvents"
EndSection

Dieser Abschnitt kann den Standardabschnitt eines Synaptics-Touchpads ersetzen, der bei der xorg-Konfiguration von Debian angelegt worden ist.

Außerdem muss der Abschnitt „ServerLayout“ in der Datei /etc/X11/xorg folgende Angaben enthalten:

Section "ServerLayout"
Identifier "Default Layout"
Screen "Default Screen"
InputDevice "Generic Keyboard"
InputDevice "Configured Mouse" "CorePointer"
InputDevice "Touchscreen" "SendCoreEvents"
EndSection

Als letztes ist darauf zu achten, dass im Abschnitt der „Configured Mouse“ die Option „CorePointer“ steht (was, glaube ich, Standard ist).

Problematisch finde ich die Optionen "MaximumXPosition" und "MaximumYPosition", die fpit mitteilen, wie weit das Display in der X- und der Y-Achse geht. Die von mir eingesetzten Werte sind ein Kompromiss, der am rechten Rand vor allem in der Mitte eine leichte Mausabweichung produziert. Hier ist sicher noch Optimierung möglich.

Zuletzt muss dem Kernel die Kontrolle über gerade diese serielle Schnittstelle weggenommen und an fpit übertragen werden. Das geschieht mit Hilfe des Programms setserial so:

/bin/setserial /dev/ttyS2 autoconfig
/bin/setserial /dev/ttyS2 uart 16450 irq 5 port 0xfd68

Erst dann funktioniert die Eingabe über den Touchscreen zufriedenstellend. Für den Fall, dass der Touchscreen an eine andere serielle Schnittstelle angeschlossen ist, muss hier natürlich ebenso wie im fpit-Abschnitt in xorg.conf ttyS2 durch ttyS0, ttyS1 oder ttyS3 ersetzt werden.

Dies sollte für jeden Bootvorgang automatisiert werden, indem diese beiden Zeilen in die Datei /etc/rc.local oder in eine andere Scriptdatei eingetragen werden, die beim Bootvorgang abgearbeitet wird.


Virtuelle Tastatur

Damit der Stylistic auch ohne echte Tastatur funktioniert, braucht er eine, die mit dem Stift zu bedienen ist. Das erledigt „xvkbd“. Meiner Erfahrung nach funktionieren nicht alle Wege, dieses Programm zu konfigurieren, die in seiner eigenen Manpage angegeben sind – deshalb folgende (wie ich glaube, sichere) Methode.

In die Datei .Xdefaults im eigenen Heimatverzeichnis muss für die deutsche Tastaturbelegung

xvkbd.customization: -german

eingetragen werden (sollte es die Datei noch nicht geben, muss sie vorher angelegt werden).

In die gleiche Datei sollte in allen Heimatverzeichnissen aller BenutzerInnen der virtuellen Tastatur der gleiche Eintrag in .Xdefaults vorgenommen werden – außerdem im Heimatverzeichnis des Superusers /root. Einen systemweiten Eintrag für alle habe ich nicht hinbekommen – er soll laut Manpage funktionieren, wenn man in die Datei /etc/X11/app-defaults/XVkbd ebendies einträgt, aber bei mir hat das nichts bewirkt.

Jetzt kann mit dem Aufruf

/usr/bin/xvkbd -geometry -105-0

die virtuelle Tastatur aufgerufen werden. Sie liegt damit unten mittig und sollte das deutsche Tastaturlayout haben. Bei anderen Platzanforderungen sollte am Parameter -geometry geschraubt werden.

Damit man sich mit Hilfe der virtuellen Tastatur auch einloggen kann, ohne eine echte Tastatur zu benötigen, sind folgende zwei Einträge nötig. In die Datei /etc/kde3/kdm/Xsetup muss die Zeile

/usr/bin/xvkbd -compact -modal -always-on-top -geometry -180-0 &

ganz am Anfang eingefügt werden, und in die Datei /etc/kde3/kdm/Xstartup

pkill xvkbd &

vor allen anderen Skriptabläufen (also auch ganz am Anfang).

Wer xdm benutzt, findet gleichartige Dateien im Verzeichnis /etc/X11/xdm.


Ausschalter

Um den Bootprozess ein wenig abzukürzen, lohnt es sich, dem Ausschalter des Stylistic nicht, wie es standardmäßig durch Debian passiert, das Herunterfahren des Gerätes zuzuweisen, sondern das Speichern des Arbeitsspeiches in die Swap-Partition (mit anschließendem Aufwecken von ebenda). Dazu müssen die Pakete acpi-support, hibernate und pm-utils installiert sein.

In der Datei /etc/acpi/events/powerbtn muss die Zeile

action=/etc/acpi/powerbtn.sh

durch

action=/etc/acpi/hibernate.sh

ersetzt werden.


Dank und weitere Anregungen zum Einsatz des Stylistic LT C-500

Ich konnte Debian auf diesem Gerät nur dank der Arbeiten von Frank Neurath (http://neurath.org/stylistic_lt/) und Ferdinand Grassmann (http://www.grassmann.info/misc.html) installieren, die die meisten der oben beschriebenen Dinge schon mit anderen Betriebssystemen (SuSE, Ubuntu) durchbuchstabiert hatten. Weitere Anregungen sind insbesondere bei Frank Neurath zu finden.


Link

Jede Menge zu Linux auf mobilen Geräten findet sich unter http://www.tuxmobil.org (auf englisch) und http://www.tuxmobil.de (auf deutsch). Spezielle Seiten zu Linux auf Fujitsu-Geräten finden sich unter http://www.linux-on-laptops.com/fujitsu.html.



Korrekturen und/oder Anregungen an den Autor peter.handrich(bei)web.de.